Montag, 13. April 2020

"Ja, so war das damals bei uns - Gefühl!"

Vermutlich sind es die Feiertage, an denen ich immer ganz besonders deutlich spüre, wie schnell die Kinder groß werden. Weißt du noch: Weihnachten? Wir wir uns mit den Kindern als Wichtel hin- und hergeschrieben und das Haus wichtelmäßig auf den Kopf gestellt haben? Wie wir von der Milch für den Nikolaus getrunken und von dem Keks für ihn und der Möhre für seinen Esel abgebissen und die Krümel großzügig verteilt haben? Wie der Weihnachtsmann holter die polter über das Dachbodenfenster raus ist und er gerade noch den vollen Sack hat liegen lassen können? Oder Ostern? Wir haben den Wecker auf sechs gestellt, und ich habe mich in den Garten geschlichen, um die am Tag zuvor von den Kindern liebevoll mit Blüten geschmückten Moosnester mit Schokoeiern und kleinen Überraschungen zu füllen. Mit taunassen Füßen und Osterkribbeln im Bauch bin ich dann zurück ins Bett gehuscht und habe noch auf eine kleine Mütze Schlaf gehofft. Einmal haben wir sogar Hasenköttel aus Nachbars Kaninchenstall geholt und sie auf dem Hasenhäuschen verteilt, das die Kinder für Meister Lampe gebastelt hatten. Verrückt! Kaum waren die Kinder dann wach, schauten sie aus dem Fenster und hielten nach glitzeriger Beute Ausschau. Sie sprangen noch im Schlafanzug in die bereitgestellten Gummistiefel, harrten und scharrten mit selbigen, während wir uns immerhin noch schnell den Kaffee einschenkten. Die Schilder wiesen ihnen den Weg, und sie fanden Ei um Ei. Das ein oder andere durfte dann gerne auch schon vor dem Frühstück beim Auspacken der kleinen Geschenke genascht werden. 


Traditionsgemäß gab es einen Osterzopf. Weißt du noch, Ostern 2020? Die Coronakrise? Da waren nicht nur die Geschäfte für mehrere Wochen geschlossen, so dass wir viel bestellen mussten und ich das Geschenkpapier selbst bemalt habe, auch Mehl und Hefe waren knapp. Zum Glück hatte ich noch diese wertvollen Backzutaten. Ein weiteres Päckchen Hefe brauchte ich allerdings einen Tag zuvor. Für die fast noch lieb gewonnenere Tradition, die Hasenpizza nämlich. 


Ja, die Rituale kommen, sie werden gelebt und geliebt, sie verwandeln sich und verschwinden manchmal, so still und leise, wie sie gekommen sind. Ganz ganz manchmal erwische ich mich dabei, dass es mir ein klein wenig schwer fällt, dass die drei größer und selbstständiger werden. Ich bin einfach zu gerne mit ihnen und für sie da. Es überrascht mich aber nicht, dass ich sie mit Eierfärben und Origamihäschen nicht mehr total aus dem Häuschen bringen kann. Sobald ich die Sachen aber hervorkrame, sind sie aber doch immer noch ganz gerne dabei. Ich sag`s euch: Früher war mehr Basteln. Früher war aber auch mehr Sandmännchen, Zähneputzen, An- und Umziehen, besonders beliebt in der Matschhosenherbst- und Winterzeit, meterhohe Bilderbuchstapel, Kinderturnen und Spielkreis, ... Alles mitgenommen, alles mitgenossen, total. Aber nun genieße ich es auch sehr, eine Mama von großen Kindern zu sein. Ich mag die Art von Gesprächen, die wir jetzt führen können, die Fragen, die sie stellen, ihren Blick auf die Welt, das gemeinsame Kochen und das gemütliche Essen, ich mag die Filme, die wir gemeinsam gucken, und die Familienlektüre. Ich schätze sehr, dass sie mehr und mehr eigene Erfahrungen machen und uns davon erzählen. Und das Schöne ist: Sie werden ja immer noch größer.
An dem "Falschen Hasen" halten wir aber vielleicht aber auch noch fest, wenn wirklich längst keines der Kinder mehr an den Osterhasen und an die anderen üblichen Weggefährten glaubt.  In Erinnerung werden sie hoffentlich bleiben, all diese Gepflogenheiten, wenn auch nur als ein wohligwarmes "Ja, so war das damals bei uns Gefühl". Denn, wenn auch links und rechts von Momentaufnahmen und Ausschnitten es mitunter mal hoch hergeht, es auch hier drunter und drüber läuft, so erlebe ich jetzt eine ganz intensive, wundervolle und wertvolle Zeit, die uns als Eltern, und unsere Kinder, zu den Menschen macht, die wir nun sind, und die wir weiterhin werden. Es geht immer weiter. Immer in eine Richtung. Wahrlich hier entlang!


Herzlichst

Goldi

Na, wenn das mal die richtige Ostereierfährte ist...



#stayhome: Seit mittlerweile vier Wochen sind wir nun zu Hause. Nach zwei Wochen homeoffice und homeschooling, haben wir mit herrlichem Frühlingswetter die Osterferien in unserem Zuhause und im Garten genossen. Wir sind gespannt, wie und wann es weitergeht...


Yeah!


Osterbuffet: "Bitte nehmen Sie Platz auf der Veranda. Draußen nur Kännchen.


Rüblitorte in Arbeit. Was mich gut charakterisiert? Das Rezept sieht vor, die Möhren zu raspeln. Ich nehme natürlich die GROBE Reibe. Der Liebste kann das lächelnd kichernd bestätigen.


Diese verrückte Coronazeit hat zugegebenermaßen auch eine gehörige Portion Entschleunigung mit sich gebracht. Für mich unter anderem eine tägliche Yogapraxis. Heute unter freiem Himmel.


Wir liefern noch rasch ein Ostergeschenk der besonderen Art aus. 


"Mama, Möhren und Kuchen gehören einfach nicht zusammen!" 



Dafür kommt das Abendessen um so besser an. 
Eine bunte Schüssel, jeder so, wie er mag. Heute mit Kohlrabischnitzel und hausgemachter Remoulade. Kochen, Backen und schließlich Essen spielen gerade eine große Rolle. Die Frage ist: Wie viele Coronakalorien darf man täglich zu sich nehmen?!


Und weil die Tage derzeit auch so viel länger sind, spielen wir noch eine Runde.Einfach, weil es geht. 


Zum Glück geht es uns gut. Es war ein schöner Ostersonntag, der uns bestimmt lange in Erinnerung bleiben. Mich macht es einfach froh, wenn wir fünf zusammen sind. Ich hoffe, ihr habt auch ein schönes Fest zu Hause verbracht, wenn auch etwas anders, als vielleicht geplant. Bleibt auf jeden Fall gesund und munter.